TLZ, 01.02.2013: Demonstranten forderten Schließung des Heims in Breitenworbis

Auf dem Friedensplatz fanden sich etwa 40 Menschen ein, um die
Schließung des Asylbewerberheims Breitenworbis zu fordern.

Mit einer Demonstration vor dem Landratsamt auf dem Friedensplatz wurden
am Donnerstag am späten Nachmittag erneut die Bedingungen im
Asylbewerberheim in Breitenworbis kritisiert und dessen Schließung
gefordert. Zu der Demo des Jenaer Flüchtlingsforums „The Voice“ waren
auch einige Bewohner des Heimes gekommen sowie Unterstützer aus
Göttingen, die damit ihre Solidarität mit den Asylbewerbern bekunden
wollten.


Heiligenstadt. Auf Transparenten wurde die Schließung des „Lagers“
gefordert, „Grenzen auf für alle“ und Bargeld statt Gutscheine sowie zu
„Widerstand gegen staatlichen Rassismus“ aufgerufen. Ein Sprecher
erinnerte daran, dass schon im September 2011 und ein Jahr später mit
Demonstrationen in Heiligenstadt auf unbefriedigende Zustände in dem
Asylbewerberheim hingewiesen worden war. Offener Brief konnte nicht
übergeben werden Eine Familie, die sich an der ersten Demo beteiligte,
habe bald darauf eine Wohnung in Heiligenstadt bekommen. Wer aufbegehre,
werde also aus dem Heim genommen. Darin zu leben, sei für alle zurzeit
120 Asylbewerber in vielen alltäglichen Dingen eine große Belastung,
zumal viele seit Jahren auf eine Entscheidung auf ihren Asylantrag warteten.

Aus dem Heim berichteten die beiden Afghanen Hamed Rasali und Ali Najimi
unter anderem über die Nähe zu einem Landwirtschaftsbetrieb mit den
entsprechenden Gerüchen sowie die Enge in den Zimmern, die zu
psychischen Belastungen und auch Schlägereien führe. Zudem funktioniere
die Heizung nicht richtig. Die Veranstaltung wurde vom Ordnungsamt des
Landkreises sowie von Polizeibeamten beobachtet. Weitere Polizeikräfte,
die im Falle einer Konfrontation hätten eingreifen können, hielten sich
im Hintergrund. Eigentlich wollten die Organisatoren vom
Flüchtlingsforum dem Landrat Werner Henning (CDU) einen offenen Brief
von Frauen aus dem Asylbewerberheim in Breitenworbis übergeben.

Aber Henning und sein Stellvertreter waren außer Haus zu wichtigen
Terminen. Die Frauen schildern in dem Brief ihre Lebensumstände neben
einer Kläranlage und einer Mastanlage, aber zwei Kilometer vom Ort
entfernt, und mit wenigen Sanitäreinrichtungen. Sie fühlen sich von der
Gesellschaft isoliert und ausgegrenzt. Sie beklagen sich, dass ihre
Probleme nicht ernst genommen, sie mitunter demütigend behandelt werden.
Und katastrophal sei die ärztliche Versorgung. Ihr Schlusssatz: „Wir
wollen selbstbestimmt in Wohnungen leben.“

Jürgen Backhaus / 01.02.13 / TLZ

Quelle:
http://eichsfeld.tlz.de/web/lokal/politik/detail/-/specific/Demonstranten-forderten-Schliessung-des-Heims-in-Breitenworbis-297916132